Bevor du
kaufst
Drei Themen, die du verstanden haben solltest. Nicht die romantische Marketing-Sicht — sondern, was im Alltag wirklich zählt.
§ Rechtslage
Was du in Deutschland filmen darfst — und was nicht
Eine Überwachungskamera ist in Deutschland kein neutrales Gerät. Sie macht aus dir einen Verantwortlichen im Sinne der DSGVO, und sie kann dir — falsch eingesetzt — eine Strafanzeige nach §201a StGB einbringen.
Auf deinem eigenen Grund: weitgehend frei
Im Inneren deiner Wohnung darfst du filmen, was du willst — solange du keine Personen filmst, die nichts davon wissen. In deinem Garten darfst du dein eigenes Grundstück filmen. Sobald die Kamera den Gehweg, die Straße oder Nachbargrundstücke erfasst, wird's heikel. Lösung: Privacy-Zones in der Kamera-Software.
Was du auf keinen Fall darfst
- Personen in fremden Wohnungen heimlich filmen (Strafbar nach §201a StGB)
- Mitarbeiter ohne Mitbestimmung des Betriebsrats überwachen
- Den öffentlichen Raum dauerhaft erfassen
- Nachbarn auch nur "zufällig" mitfilmen
- Aufnahmen Dritten zugänglich machen ohne deren Einwilligung
Hinweispflicht im Außenbereich
Filmst du sichtbar in einem Bereich, den Besucher betreten, brauchst du nach DSGVO ein gut sichtbares Hinweisschild. Inhalt: Hinweis auf Videoüberwachung, Zweck, Verantwortlicher mit Kontaktdaten, ggf. Speicherdauer.
Die häufigste Frage: "Darf ich meine Hofeinfahrt filmen?" Antwort: Ja, solange die Einfahrt zu deinem Grundstück gehört, du Privacy-Zones für angrenzende Flächen setzt und ein Hinweisschild hast.
▣ Speicher
Cloud, SD-Karte oder lokaler Speicher?
Beim Kamera-Kauf ist Speicher die Frage, die später am meisten Geld kostet — oder einspart. Cloud-Abos klingen klein (3-10 €/Monat), summieren sich aber: 5 € × 12 × 5 Jahre = 300 Euro extra.
Lokale Speicherung (SD-Karte oder intern)
Vorteile: Keine laufenden Kosten. Volle Datenhoheit. Funktioniert auch bei Internet-Ausfall.
Nachteile: Bei Diebstahl der Kamera sind auch die Aufnahmen weg. Speicherkarten haben begrenzte Schreibzyklen.
Cloud-Speicherung
Vorteile: Aufnahmen extern gesichert. Bei Kamera-Diebstahl bleiben Beweise erhalten.
Nachteile: Laufende Kosten. Aufnahmen liegen bei Drittanbieter. Bei Internet-Ausfall keine Aufnahmen.
Hybridlösung
Unsere Empfehlung: Eine Kamera mit SD-Slot oder internem Speicher kaufen, wichtige Aufnahmen manuell auf eigenen Cloud-Speicher (Nextcloud, Dropbox) hochladen.
Wenn ein Hersteller dir kein Modell ohne Cloud-Pflicht anbietet, fragst du dich am besten, wo sein eigentliches Geschäftsmodell liegt.
◊ Verbindung
WLAN, 4G oder klassisches Funk?
WLAN-Kameras
Standard für Indoor und nahe Outdoor-Bereiche. Achte auf unterstützte Frequenzbänder. Eine Outdoor-WLAN-Kamera braucht mindestens -65 dBm Signalstärke, sonst wird die Live-Übertragung körnig.
4G/LTE-Kameras mit SIM-Karte
Für Standorte ohne WLAN-Verbindung. Du brauchst eine separate Daten-SIM (Prepaid reicht meist). 10 GB/Monat reichen für die meisten Szenarien.
Power-over-Ethernet (PoE)
Wer fest installierte Outdoor-Kameras plant, sollte sich PoE ansehen. Netzwerkkabel liefert gleichzeitig Strom und Daten. Stabiler als WLAN, kein Akku-Problem, oft besser für 24/7-Betrieb.